Hm, das klingt ein wenig nach der sprichwörtlichen Übung, das Glas als
halb voll zu betrachten und nicht als halb leer.
Kelly: Sagen wir so: Das Sinnieren darüber bringt uns nirgendwo hin.
Über Technologie können wir nur etwas herausfinden, indem wir sie
nutzen. Das beinhaltet ein Fehlerrisiko, aber die Fehler können uns dazu
bringen, einen besseren Nutzen aus der Technologie zu ziehen. Ein
Beispiel: Als großflächig versprühtes Insektizid war DDT eine
ökologische Katastrophe, als schnelles Malaria-Gegenmittel ist es ein
Segen. Die Fortentwicklung des Techniums ist zum Teil kulturell geprägt,
es wird von uns beeinflusst und beeinflusst uns. Sie ist zum Teil aber
auch nicht menschlich, von Eigendynamiken angetrieben, die aus ihm
selbst heraus wirken. Und das ist der Aspekt, der fasziniert und
gleichzeitig Angst macht. Wir werden die weitere Evolution der Technik
nicht komplett kontrollieren können, aber wir haben zumindest die Wahl,
wie lebensfreundlich und verträglich wir sie gestalten und anwenden.
Haben wir denn überhaupt eine Wahl, auch Dinge bleiben zu lassen?
Kelly: Als Individuen können wir viele Dinge bleiben lassen. Ich zum
Beispiel verwende kein Smartphone, kein Twitter und schaue auch kein
Fernsehen, nutze dafür aber Internet-Streaming, Google und Hybridautos.
Die exponentiell ansteigende Zahl der technologischen Optionen wird es
schon mit sich bringen, dass wir gar nicht alles ausprobieren, entwickeln
und anwenden können, was sich technisch anbietet. So wie wir uns
bisher überwiegend darüber definiert haben, was wir benutzen, werden
wir uns als Individuen und Gruppen künftig wahrscheinlich stärker
darüber definieren, was wir nicht benutzen.
Ablehnung bleibt also weiterhin eine Option?
Kelly: Auf der individuellen Ebene ja – aber nicht in der Gesellschaft als
Ganzes. Wenn die Zeit automatisch gesteuerter Autos oder gentechnisch
veränderter Menschen gekommen ist, wird nichts diese Innovationen
dauerhaft stoppen können.
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